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Landschaftsinterpretation



Als ein Konzept der Besucherbetreuung in den US-amerikanischen Nationalparks entstanden, stößt die  vor mehr als fünfzig Jahren entwickelte Methode der Landschaftsinterpretation auch in Mitteleuropa auf zunehmendes Interesse. Ein zentrales „Ergebnis“ der Auswertung von Besucherangeboten in den US-amerikanischen Nationalparks lautet: reine Natur-Information bleibt fruchtlos, wenn das, was präsentiert werden soll, nicht mit der Persönlichkeit oder den Erfahrungen des Besuchers in Beziehung steht. Was heißen soll: Nicht die Information über einen Gegenstand (hier: Natur und Umwelt), sondern die unmittelbare Begegnung mit dem konkreten Phänomen und die tätige Auseinandersetzung damit sei der Schlüssel für die Verankerung des Wissens in der Lebenswelt der Besucher.

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„Interpretation ist ein Bildungsprozeß, der -statt nur Faktenwissen weiterzugeben -
das Enthüllen von Bedeutungen und Zusammenhängen
unter Nutzung originaler Objekte, durch Erfahrungen aus erster Hand und mit veranschaulichenden Mitteln bezweckt.“

(Tilden, 1957)

Interpretation ist dabei nicht als eine Methode der „Belehrung“ (Lehrpfad, Spezialisten-Wissen) zu verstehen, sondern als eine Form überraschender Anstöße auf der Grundlage von Fakten, Konfrontation mit unerwarteten Enthüllungen und die Entwicklung von sog. „Aha-Effekten“ innerhalb aufgesuchter Naturräume. Für das Konzept der Interpretation ist es wichtig, die Balance innerhalb des so genannten Interpretationsdreiecks Naturphänomen - Besucher - Interpret einzuhalten.

Die dabei eingesetzten Kommunikationsverfahren tragen der Tatsache Rechnung, dass ein Freizeitpublikum - und dazu zählen auch die Freizeitsportler - nicht per se an Umweltbildung interessiert ist, sondern sportliches Bewegen und Erholung im Grünen favorisiert. Deswegen sind die Verfahren darauf abgestellt ihr Interesse für Natur- und Landschaftsfragen zu wecken und auf ihre Lebenswelt zu übertragen. Die wichtigsten Kommunikationsverfahren sind:

 

- Interesse wecken, Aufrütteln, Provozieren
(durch provokante Titel oder humorvolle Ansprachen oder Illustrationen wird zunächst das Vorurteil ‚diese Thematik sei uninteressant’ überwunden und die Bereitschaft erhöht sich mit der Sache zu beschäftigen)
- Beziehung zum Publikum herstellen
(Die (Natur)Thematik kann auf den Erfahrungshorizont der Zielgruppe oder allgemein auf menschliche Schicksale bezogen werden)
- Enthüllen/Entdecken lassen
(Durch ungewöhnliche Blickwinkel kann scheinbar längst Bekanntes neu entdeckt werden, ein ‚Aha-Erlebnis’ weckt weiteres Interesse)
- An einer zentralen Idee bzw. einem Thema ausrichten
(Man sollte versuchen nur eine Botschaft zu vermitteln)
- Bewegung so gestalten, daß Naturerfahrungen ermöglicht werden und die Fortbewegung in Booten als Naturfaszinosum empfunden werden kann.

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